WANDERWEGEMARKIERUNG HEUTE UND MORGEN
Die hessischen Mittelgebirge sind durchzogen von einem historisch gewachsenen Netz von Wanderwegen und hat seinen Ursprung in den meisten Fällen vor über hundertzwanzig Jahren. Damals wurden die ersten markierten Wanderwege angelegt, um die betreffende Region für den Besucher zu erschließen.
Die markierten Wanderwege sollen sowohl den fremden als auch den einheimischen Wanderern die Hessische Mittelgebirgs-Landschaft in ihrer Eigenart und Schönheit zugänglich machen.
Nicht nur der Sinn nach Natur und Schönheit der Landschaft waren die Gründe für das erste Anlegen von markierten Wanderwegen, ausschlaggebend waren schon damals auch wirtschaftliche Gründe. Es sollten Gäste in bis dahin wenig besuchte Gebiete geführt werden, um die Verdienstmöglichkeiten der Gasthäuser und Beherbergungsbetriebe zu verbessern.
Dieses, von den Wandervereinen - in ehrenamtlicher Tätigkeit - angelegte markierte Wanderwegenetz steht der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung. Es wird von vielen Wanderern und Erholungssuchenden genutzt. Der sanfte und Naturschonende Wander-Tourismus ist ohne die in ökologischer Behutsamkeit markierten Wanderwege und den dazugehörigen Wanderkarten undenkbar.
IM EINKLANG MIT DER NATUR
Die Aufgabenstellung an die Gebietswandervereine bei der Ausweisung und Markierung von Wanderwegen ist zweigleisig. Die Menschen müssen einerseits Zugang zur Natur erhalten, die Natur muss aber andererseits gleichzeitig auch geschützt werden.
In unserer Zeit, in der die naturverträgliche Nutzung von Wald und Kulturlandschaft immer notwendiger wird, sind umweltschonende, mit der Natur im Einklang stehende, markierte Wanderwege ein Beitrag zum Naturschutz.
In diesem Sinne erschließt das bestehende Wanderwegenetz mit seiner Lenkungsfunktion den Erholungssuchenden die Landschaft und ermöglicht Naturerlebnisse ohne empfindliche Gebiete zu stören.
In Zusammenarbeit mit den Forstbehörden und den Naturschutzebenen werden Freiräume für die Pflanzen- und Tierwelt geschaffen. Gezielte Wegeführung kann als Mittel dienen, die Menschen der Natur näher zu bringen und sie für den Naturschutz zu sensibilisieren.
Landschaftsteile, in denen bedrohte Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum haben und deren Betreten diese Lebensräume zerstören oder hochgradig gefährden würden, sollten in nötigem Abstand von Wanderwegen umgangen werden.
Unter Schutz stehende Landschaftsteile müssen aber nicht grundsätzlich von Wanderwegen frei bleiben. Entscheidend sind die Ziele des Naturschutzes. Die Wegeführungen müssen deshalb kritisch betrachtet und ein vorhandenes Überangebot reduziert werden.
Dies alles geschieht in Übereinstimmung mit den Erlassen der Regierungspräsidien in Hessen zur Vereinheitlichung der Wegemarkierung (letzte Grundsatzverfügung vom März 1998).
Am 11. Mai 2001 wurde mit der Hessischen Landesregierung die
"Spartenvereinbarung Wandern im Rahmen der Allianz Sport und Umwelt"
abgeschlossen. Die Vereinbarung soll sicherstellen, dass die Bedingungen für eine naturverträgliche Ausübung des Wanderns - vor allem in den hessischen Mittelgebirgen - festgelegt und zugleich der Bestand dieser Form der aktiven Erholung im Land gesichert wird. Durch die landesweite Erhaltung und Entwicklung attraktiver Wandermöglichkeiten wird der wohnortnahen Ausübung des Wanderns, sowie in den traditionellen Urlaubsgebieten des Landes gemäß dem gesellschaft-lichen Bedarf Rechnung getragen.
DAS WANDERWGENETZ IN HESSEN
Rund 19.750 km Durchgangs-Wanderwege werden von 12 Gebietswandervereinen in Hessen betreut.
Auflistung nach Gebietsvereinen im Landesverband Hessen:
Hessisch-Waldeckischer Gebirgs- und Heimatverein e.V. |
4120 km |
| Knüllgebirgsverein e.V. |
1800 km |
| Oberhessischer Gebirgsverein e.V. |
1820 km |
| Odenwaldklub e.V. |
1820 km |
| Rhein-Taunus-Klub e.V. |
940 km |
| Rhönklub e.V. |
2150 km |
| Spessartbund e.V. |
620 km |
| Taunusklub e.V. |
2130 km |
| Vogelsberger Höhen-Club e.V. |
2280 km |
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| Werratalverein e.V. |
1310 km |
| Westerwald-Verein e.V. |
760 km |
| Gesamt: |
19750 km |
Im Durchschnitt wurden in den letzten Jahren pro Jahr bei ca. 60 % der Wanderwege in rund 21.000 Stunden die Markierung kontrolliert und wo nötig erneuert.
Die Nachhaltigkeit der Wanderwegemarkierung ist damit bei den von uns betreuten Wanderwegen gewährleistet.
Seit Anfang der 80er Jahre führen auch 11 Hessenwege durch ganz Hessen. Hessenwege sind ausgewählte Weitwanderrouten, die durch Aneinanderreihen einzelner Teilstrecken des von den regionalen Gebietswandervereinen markierten Wanderwegenetzes gebildet werden. Zusätzlich zu den wechselnden Markierungen sind sie als "Hessenwege" beschildert.
Dieses über 3000 km lange Wegenetz ist ein Angebot an alle Wanderer und Erholungssuchenden. Dazu gehören auch die 4 Europäischen Fernwanderwege, die auf einer Länge von 830 km Hessen durchqueren.
Zusätzlich markieren die Gebietswandervereine zahlreiche eigene Rundwanderwege und ebenso die der Naturparke und Kommunen.
Seit Gründung unseres Landesverbandes treffen sich die Hauptwegewarte und deren engste Mitarbeiter zu einem jährlichen Fort- und Weiterbildungsseminar.
Diese Seminare sind die Grundlage für die Schulung der Wegewarte in den Gebietsvereinen.
Gemeinsame Projekte werden dabei diskutiert, sowie Gesetzesänderungen besprochen. Durch die Anbindung der Wanderwege ist ein Gebietsüberschreitende Wanderung möglich.
In enger Zusammenarbeit mit dem Landesvermessungsamt - jetzt "Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation" - in Wiesbaden, wird der Verlauf der markierten Wanderwege in diversen Karten dargestellt. Durch das sehr gute Miteinander ist es immer wieder möglich, die aktuellste Information über den Wegverlauf der Wanderwege in den topographischen Karten darzustellen.
ZUKÜNFTIGE AUFGABEN
Markierte Wanderwege sollen und müssen den Charakter einer Landschaft zeigen und dabei den Wanderer führen. Es gibt viele schöne Wege, aber nicht jeder kann oder sollte markiert werden. Wir müssen den besten und interessantesten Weg aussuchen.
Voraussetzung dafür, dass der Wanderer auf den ausgesuchten und markierten Wanderwegen bleibt, ist der Erlebniswert, den die Streckenführung vermittelt. Je deutlicher und sauberer ein Wanderweg markiert ist, desto sicherer fühlt sich der Wanderer unterwegs.
Ein Wanderer der auf den Durchgangsstrecken unterwegs ist, nimmt auch einmal ein Stück schlechtere Wegstrecke oder ein kurzes Stück Asphalt in Kauf. Er erwartet aber von Rundwanderwegen, die von den Parkplätzen der Naturparke oder von Orten ausgehen, eine bessere Beschaffenheit.
Vom Deutschen Wanderverband wurde ein neues Gütesiegel für Wanderwege geschaffen. Die dem "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" zugrunde liegenden Kriterien können uns helfen, den gestiegenen Ansprüchen der heutigen Wanderer zu entsprechen. Diese Kriterien sind unbedingt bei einer Neuanlage eines Wanderweges zu berücksichtigen.
Diese sind sicherlich auch sehr hilfreich bei einer kritischen Bestandsaufnahme der vorhandenen markierten Wanderwege sowie bei geplanten Veränderungen eines Wegverlaufes.
Die Kommunen sowie die Forstdienststellen sind dringend aufgefordert, die vorhandenen Wege naturschonend auszubauen oder bessere Alternativen zu erschließen. Wir müssen gemeinsam zu einer noch behutsameren Nutzung der Landschaft kommen, damit wir unseren Kindern und Enkelkindern eine Natur übergeben können, in der auch sie noch wandern und sich erholen können.
Unsere Gebietswandervereine entstanden fast alle aus Fremdenverkehrs-Organisationen bzw. Touristikvereine. Die damalige kostenlose Bereitstellung der markierten Wanderwege kann in der heutige Zeit, mit ihren gestiegen Ansprüchen an Ausstattung und Ästhetik, zum Nulltarif für alle Benutzer nicht mehr gewährleistet werden.
Die öffentliche Hand bzw. Organisationen welche auch den finanziellen Nutzen aus dem Wander-Tourismus haben, sollten auch für die anfallenden Kosten für die Markierung der Wanderwege aufkommen. Die bisherigen staatlichen Zuschüsse von ca. 25 % zu den Markierungskosten sind viel zu niedrig.
Die bisherigen Fachreferenten für Wegebezeichnung im Landesverband:
28.06.1980 - 27.10.1990 Bruno Mende, HWGHV
ab 27.10.1990 Hans Samberger, OWK
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